Teschener Schweinelähmung
Poliomyelitis lymphohistiocytariaPoliomyelitis lymphohistiocytaria
1.Perivaskuläre Infiltrate (1) und Gliaherde (2) im Ventralhorn des Lumbalmarkes.Teschener Schweinelähmung, Poliomyelitis lympho-histiocytaria. H.-E.-Färbung, 5x.
2. Degeneration und Phagozytose von Ganglienzellen (1), interzelluläres Ödem (2). Teschener Schweinelähmung. Graue Rückenmarksubstanz. H.-E.-Färbung, 40x.

Die Teschener Schweinelähmung ist eine durch ein porcines Enterovirus verursachte Krankheit mit 50%iger Morbidität und bis zu 90%iger Mortalität. Nach oraler Aufnahme vermehrt sich das Virus im lymphatischen Rachenring, in der Schleimhaut der distalen Darmabschnitte und im regionären lympho-retikulären Gewebe (enteral-lymphatische Phase). Im folgenden virämischen Stadium gelangt der Erreger in das zentralnervöse Gewebe als Manifestationsort, wo es eine Meningo-Polioencephalomyelitis lympho-histiocytaria verursacht. Besonders betroffen sind die Ventralhörner des Lumbalmarkes, so dass sich schlaffe Lähmungen der Hinterextremitäten entwickeln.
Die Veränderungen bestehen in einem ausgeprägten enzephalomyelitischen Symptomenkomplex mit lympho-histiozytären perivaskulären Infiltraten (Bild 1), Ganglienzelldegenerationen und Neuronophagie (Bild 2). Demgegenüber ist der Sektionsbefund uncharakteristisch.
Die Teschener Schweinelähmung wurde von den tschechischen Tierärzten Trefny und Klobouk in der Region um Tešin (Teschen) entdeckt. Sie spielte in Mitteleuropa während der 30er und 40er Jahre eine große Rolle und ist seither erloschen. Mit dem Teschen-Virus eng verwandt ist der Erreger der Talfan-Disease, der eine benigne Poliomyelitis verursacht.