Tollwut
Negrisches Körperchen, Lentz-FärbungNegrisches Körperchen, Muromzew-FärbungTollwutvirusantigen, direkte Immunfluoreszenztechnik
1. Negrisches Körperchen, paranukleär in einer großen Nervenzelle des Ammonshorns. Reh, Paraffinschnitt, Lentz-Färbung, 100x.
2. Negrisches Körperchen mit deutlichen basophilen Innenstrukturen. Reh, Abklatschpräparat aus dem Ammonshorn, Muromzew-Färbung, 100x.
3. Tollwutvirusantigen unterschiedlicher Form und Größe, entsprechend den Negrischen Körperchen bzw. den Babes-Kochschen Granula in Nervenzellen des Ammonshorns. Fuchs, Abtupfpräparat, direkte Immunfluoreszenztechnik, 40x.

Bei der Tollwutinfektion der Säugetiere ist der Zerlegungsbefund wenig aussagekräftig. Die histologische Untersuchung weist  einen enzephalitischen Symptomenkomplex unterschiedlicher Intensität nach, allerdings nicht regelmäßig und abhängig von der Erkrankungsdauer.
Die Tollwutvirusvermehrung in den Nervenzellen geht mit der Bildung intrazytoplasmatischer  Einschlußkörperchen einher, die nach dem Erstbeschreiber Negrische Körperchen (NK) genannt werden. Es handelt sich um runde bis ovale, scharf begrenzte, eosinophile Gebilde mit basophilen, granulären Innenstrukturen ( Bilder 1und 2). Sie haben eine Größe von 1 - 27 Mikrometer.  Noch kleinere Elementarkörperchen als Vorstufen in der Entwicklung der NK werden als Babes-Kochsche Granula bezeichnet.
Einschlußkörperchen findet man am häufigsten in den Nervenzellen des Ammonhorns und der Medulla oblongata.
Der Nachweis von NK erfolgte früher an Paraffinschnittpräparaten mit der von Lentz am Hamburger Tropeninstitut entwickelten und nach ihm benannten Färbung mit Eosin-B-extra und Methylenblau.  Wegen der relativ langen Präparationszeit wurden später Tupf- und Quetschpräparate verwendet, z.B. die amerikanische Sellers- und die russische Muromzew-Methode, bei denen es sich ebenfalls um Eosin-Methylenblau-Färbungen handelt. Nachteil aller konventionellen Färbemethoden ist die diagnostische Unsicherheit, da in Abhängigkeit von der Dauer der Erkrankung und von derTierart sowohl falsch-positive  (unspezifische Einschlußkörperchen) als auch falsch-negative (Elementarkörperchen unterhalb der lichtmikroskopischen Auflösung)  Ergebnisse entstehen können.
Entscheidenden Fortschritt bedeutete die seit Mitte der 60er Jahre eingeführte Immunfluoreszenztechnik (Bild 3), mit deren Hilfe Tollwutvirusantigen nicht nur rasch, sondern auch mit hoher Sicherheit (98-99%) dargestellt werden kann. Zusätzliche diagnostische Sicherheit liefert der Versuch einer Virusvermehrung in der Gewebekultur.