Zentroblastisches Lymphom bei der enzootischen Rinderleukose
zentroblastisches Lymphom, Giemsa Färbungspeckige Knoten im rechten Vorhof bei enzootischer Rinderleukose
1. Hochgradige Infiltration des Myokards durch den lymphatischen Zentroblasten ähnliche Geschwulstzellen (1). Kompression der wenigen verbliebenen Myozyten (2). Enzootische Rinderleukose. Giemsa-Färbung, 10x.
2: Speckige, graugelbe, zum Teil von Arrosionsblutungen durchsetzte Geschwulstknoten in der Wand der rechten Herzvorkammer. Enzootische Rinderleukose.

Lymphome gehören neben Myelosen und Erythroblastosen zu den Geschwülsten vom Typ des blutbildenden Gewebes (Leukosen).  
Die histologische Einordung lymphatischer Geschwülste erfolgt nach der Kiel-Klassifikation, die aufgrund zytomorphologischer, zytochemischer und immunologischer Kriterien von Lennert und Mitarbeitern für Lymphome des Menschen entwickelt wurde.
Heterologe, entdifferenzierte und hochmaligne Lymphome werden als "blastisch" bezeichnet. Homologe  Lymphome sind durch das Suffix "zytisch" ausgewiesen, ihre Malignität resultiert aus der häufig systemischen Lokalisation. Im einzelnen sind zu unterscheiden:
  • lymphozytische Lymphome entweder vom T- oder vom B- Zelltyp,
  • Lymphome vom Typ immunglobulinbildender Zellen ( Immunozytome)
          - lymphoplasmozytisches Lymphom,
          - plasmozytisches Lymphom  (Plasmozytom).
  • Lymphome vom Typ der (Lymphknoten-) Keimzentrumszellen
          -zentrozytisches Lymphom,
          -zentrozytisch-zentroblastisches Lymphom,
          -zentroblastisches Lymphom.
  • lymphoblastische Lymphome vom T- oder vom B- Zelltyp
  • immunoblastische Lymphome vom T- oder vom B- Zelltyp  
Offensichtlich ist ein Großteil der Geschwülste bei der enzootischen Rinderleukose den zentroblastischen und immunoblastischen Lymphomen zuzuordnen. Bild 1 zeigt Infiltrate von großen Zellen mit hellem, polymorphem Kern, die den Zentroblasten ähnlich sind.
Die enzootische Rinderleukose (ERL) gehört(e) als Infektionskrankheit zu den verlustreichsten Geschwulsterkrankungen bei Tieren. Die Infektion erfolgt horizontal oder vertikal durch ein Retrovirus, das bovine Leukosevirus (BLV)  . Ein Teil der Virusträger entwickelt eine persistierende Lymphozytose, die als benigne lymphoproliferative Reaktion aufzufassen ist und nichts mit der Ausschwemmung neoplastischer Zellen zu tun hat. In bis zu 30% der Fälle bilden sich bei meist über 5 Jahre alten Tieren Lymphome als eigentliche Manifestation der ERL.
Im Sektionsbild der ERL lassen sich von vornherein systemische Vorgänge einerseits und ein zunächst lokales, später generalisierendes Geschehen andererseits unterscheiden.
Das systemische Bild geht mit meist mittelgradiger Schwellung fast aller Lymphknoten und hochgradiger, oft zur Ruptur führenden Milzvergrößerung sowie mit Leberschwellung einher.
Bei den generalisierenden Formen kommt es neben regionären, oft hochgradigen Lymphknotenschwellungen zu Veränderungen nichthämatopoetischer Organe wie Herz (Bilder 1 und 2), Labmagen, Dünndarm, Niere, Uterus.
Differentialdiagnostisch ist die ätiologisch ungeklärte sporadische bovine Leukose zu berücksichtigen.